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Thunfisch, Blauflossenthun, Roter Thun

Thunnus thynnus, Thunnus maccoyi, Thunnus orientalis

    • Weltweit
      Wildfang
    • Weltweit
      Zucht
    • Mittelmeer, Ostatlantik, Westatlantik
      Ringwaden, Langleinen (treibend)

    Biologie

    Der Rote Thun (Thunnus thynnus) kann eine Länge von 4,50 Metern erreichen und über 600 Kilogramm schwer werden, er wird aber meist schon bei einer Länge von 2 Metern gefangen. Er jagt andere Schwarmfische wie Sardellen und Seehechte, aber auch Tintenfische und Krebstiere. Der Südliche Blauflossenthun (Thunnus maccoyii) erreicht eine Länge von knapp 2,50 Metern und ein Gewicht von 260 Kilogramm. Große, geschlechtsreife Tiere wandern während der Laichzeit in die tropischen Gewässer Australiens. Der Nordpazifische Blauflossenthun (Thunnus orientalis) erreicht eine Länge von 3 Metern und ein Gewicht von 450 Kilogramm. Auch diese Art bildet, wie der Rote Thun, manchmal gemischte Schwärme mit anderen Thunfischarten.

    Bestandssituation

    Die Bestandsbewertung von 2017 zeigt, dass der Bestand des Rote Thuns (Thunnus thynnus) im Ostatlantik und Mittelmeer seit den späten 2000er Jahren deutlich angewachsen ist. Wie groß der Anstieg genau ist, hängt von dem verwendeten Berechnungsmodell ab. Insgesamt gibt es viele Unsicherheiten bei der Bestandsabschätzung und es bleibt unklar, ob sich der Bestand von seiner Überfischung erholt hat. Für den westatlantischen Bestand konnten keine Referenzwerte ermittelt werden, daher ist seine Situation ungewiss. Die historischen Werte lagen weit über den heutigen. Beide Bestände werden heute nicht mehr überfischt. Trotz der bestehenden Unsicherheiten wurden die Fangquoten im Ostatlantik/Mittelmeer für 2018-2020 um über 50 Prozent und im Westatlantik um 25 Prozent angehoben, was die Erholung der Bestände gefährdet. Die Bestände des südlichen Blauflossenthuns (Thunnus maccoyii) sind stark überfischt und machen nur noch 13 Prozent der unbefischten Biomasse aus. Auf der Roten Liste der IUCN wird er als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Die 2017er Bestandsbewertung deutet aber auf eine positive Entwicklung hin, so dass die Zielvorgabe aus dem Wiederaufbauplan möglicherweise früher als ursprünglich geplant (2035) erreicht werden kann. Die heutigen Befischungsraten sind nachhaltig. Die Bestände des nordpazifischen Blauflossenthuns (Thunnus orientalis) sind sehr stark überfischt und werden vermutlich weiterhin zu intensiv befischt. Das Management ist ineffektiv und konnte die dramatische Überfischung bislang nicht aufhalten.

    Auswirkungen auf das Ökosystem

    Die Fischerei mit pelagischen Langleinen verursacht große Mengen ungewollter Beifänge. Dabei werden auch vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten, bedrohte Haiarten, junge Thunfische, Seevögel, Meeressäuger und andere Fischarten mitgefangen. In der Ringwadenfischerei wird oft junger Thunfisch mitgefangen, aber auch Haie, Marline und Schwertfische. Thunfische sind große Räuber und ein Rückgang dieser Arten hat weitreichende Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften und Nahrungsnetze. Die Fischerei mit Hand- und Angelleinen ist selektiv und hat nur minimale Auswirkungen auf die Meeresumwelt. Im Mittelmeer werden widerstandsfähige kleine Freiwasserarten als Köder verwendet, deren Bestände dadurch nicht gefährdet werden. Die handwerkliche Fischerei mit Fallen („Almadrabas“) wird im Mittelmeer seit Jahrhunderten betrieben. Auch sie hat nur minimale Umweltauswirkungen.

    Management

    Fischressourcen außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszonen einzelner Länder werden durch regionale Fischereiorganisationen bewirtschaftet. Deren Maßnahmen sind jedoch nicht weitreichend genug oder sie werden von den beteiligten Fangnationen nicht ausreichend umgesetzt, um die Thunfischbestände und andere Arten zu schützen. Häufig können die zuständigen Organisationen auch ihre eigenen Regeln nicht durchsetzen. Insbesondere die unklare Bestandssituation und die illegale Fischerei auf Roten Thun stellen Probleme dar, die langfristig zum Zusammenbruch der Bestände führen können. Für die Bestände aller Roten Thunfisch-Arten sind langfristige Wiederaufbaupläne in Kraft.

    Zucht

    Roter Thun wird in offenen Netzgehegen gemästet, bis die Tiere eine marktfähige Größe erreicht haben. Dafür sind große Mengen Futterfisch erforderlich. So werden für die Produktion von einem Kilogramm Roten Thun bis zu 20 Kilogramm Wildfisch benötigt. Dadurch werden die Wildfischbestände zusätzlich belastet.

    Die Thunfischzucht ist eigentlich eine Thunfischmast und daher auf den Besatz mit wildgefangenen Jungtieren angewiesen. Da die Bestandsituation des Roten Thuns ohnehin schon kritisch ist, belasten die Fänge von Besatzfischen die Wildbestände noch weiter. Zusätzlich kann es in der Umgebung der Thunfischfarmen durch Futterreste und Nährstoffeinträge zur Überdüngung kommen.

    Über die Regulierung der Zucht von Rotem Thun liegen keine Informationen vor. Zudem ist völlig unklar, wie viele Thunfische in die Zucht abtransportiert werden. Dies führt zur Verzerrung der Daten und verhindert ein wirksames Management des Bestandes.

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